Glück als Lebensziel

Podcast #7: Kann man „Glücklich sein“ lernen?

Gemeinsam mit Margot Maaß, Glückstrainerin und und Mitbegründerin der Initiative Schulfach Glück in Österreich, begeben wir uns im feel-well Podcast #7 auf die Suche nach dem Glück als Lebensziel.

Ricki Strick, Margot Maaß, Petra Kulvicki (vlnr)

Vor einiger Zeit habe ich bei einer Veranstaltung WKO Wien – die Glückstrainerin Margot Maaß kennengelernt. In ihrem spannenden Impulsvortag führte sie aus, dass man Glücklich sein lernen kann und dass es in Österreich sogar ein Schulfach „Glück“ gibt.

An dem Vormittag bekam ich soviele Inspirationen, die allein schon Glücksgefühle bei mir auslösten. Somit haben wir Margot Maaß zum Gespräch ins feel-well Podcast Studio eingeladen.

Im Podcast gibt sie uns Einblicke in die aktuelle Glücksforschung und lässt uns wissen, welche Rolle die Gene, die äußeren Umstände und die Haltung für das eigene Glück spielen. Wie man mit Engagement, Beziehungen und Wertschätzung das Glück beeinflussen kann. Sie verrät uns, warum Vergleiche mit anderen meist keine gute Idee sind und wie die Dankbarkeit ein „Tor zum Glück“ sein kann.

Was macht eine Glückstrainerin?

Margot Maaß: Ich unterstütze Menschen dabei, die Erkenntnisse der Glücksforschung und der Positiven Psychologie zu nutzen und ihr Glück selbst in die  Hand zu nehmen. So bringe ich Menschen zum Aufblühen.

Wie bist du Glückstrainerin geworden?

Das Thema „Glück“ ist in einer schwierigen Lebensphase in mein Leben gekommen, in einer Phase der beruflichen Neuorientierung. Damals hat mich, auch aufgrund meiner langjährigen beruflichen Tätigkeit in der Tourismusbranche die Frage beschäftigt, ob und wie man anderen Menschen Glücksmomente bereiten kann. Ein zweites Motiv, mich intensiver mit dem Thema Glück zu beschäftigen war mein Kontakt und die Arbeit mit Lehrlingen. Ich habe feststellen müssen, was jungen Menschen fehlt, wenn sie in den Arbeitsmarkt eintreten. Das war auschlaggebend, warum wir Sinnstifter uns für das „Schulfach Glück“ engagieren. Schule muss ein Ort werden, wo junge Menschen wachsen und aufblühen können.

Kann man „Glücklich sein“ lernen?

Die gute Nachricht ist: Ja! Das belegen auch Erkenntnisse der Wissenschaft. So hat zum Beispiel die Glücksforscherin Sonja Lyubomirsky herausgefunden, dass das Glück im Wesentlichen von 3 Faktoren bestimmt wird: Einerseits sind das die Gene, die einen Anteil von ca. 50 % haben, dann die äußeren Lebensumstände mit ca. 10 % und  rund 40 %, die wir in unserer Hand haben, das ist unsere eigene Haltung und unsere Einstellung.  Genau dort können wir ansetzen.

Wie definiert man eigentlich Glück?

Es gibt unzählige Definitionen von Glück. Schopenhauer bezeichnet Glück beispielsweise als die Abwesenheit von Unglück, eine Definition, die mir persönlich allerdings nicht so gut gefällt. Wir haben eine einfache und im Alltag gut überprüfbare Beschreibung was Glück ist:

„Glück ist, wenn man sich glücklich fühlt!“

Sehr oft wird mir auch die Frage gestellt, was ist Glück und was ist Zufriedenheit. Hier antworte ich mit Martin Seligman, dem Pionier der Positiven Psychologie: Man braucht beides im Leben, sowohl Glücksmomente aber auch Lebenszufriedenheit. Glücksmomente sind etwa Lust, Begeisterung, Ekstase, dh. Gefühle, die auch sehr schnell wieder vergehen. Für ein erfülltes Leben braucht es mehr. Es geht darum, sich die Frage zu stellen, was macht mich langfristig zufrieden.

Was lernen die Kinder im Schulfach Glück?

Die Kinder lernen, sowohl an den Glücksmomenten als auch an der Lebenszufriedenheit zu arbeiten. Aber auch ganz wichtig ist, zu lernen, wie man mit negativen Situationen und Gefühlen umgeht. Denn im Leben kommen immer wieder Herausforderungen auf uns zu, ob Jobverlust, finanzielle Sorgen, der Tod von uns lieben Menschen etc. Ziel im Glücks-Unterricht ist es, die Kinder für das Leben zu stärken und auf eine Welt vorzubereiten, von der wir heute nicht wissen, wie sie in 5 Jahren aussieht. Stichwort: Vuka World, dh. eine Welt, in der alles volatiler, unsicherer, komplexer und mehrdeutig wird.

Ein ganz wichtiger Aspekt bei unserer Arbeit ist, Kinder in dem zu stärken, wo sie gut sind. Wir helfen ihnen die eigenen Stärken zu erkennen und Ideen zu bekommen, wie sie diese nutzen können. Denn wenn wir unsere Stärken leben, schaffen wir einen wichtigen Beitrag für ein gelingendes und glückliches Leben.

Können wir auch im fortgeschrittenen Alter noch Glück lernen?

Ja, natürlich. Hier setzen wir bei den oben erwähnten 40 % des Glücks an. An unserer Haltung und Einstellung können wir bewusst arbeiten. Zu jedem Zeitpunkt unseres Lebens können wir Dinge verändern, Dinge anders tun als wir sie bisher getan haben, auch wenn das bedeutet, die Komfortzone zu verlassen. Klar ist, jede Veränderung, jedes neue Verhalten, das wir in unserem Leben etablieren wollen, braucht Wiederholungen: Lernen basiert immer auf Wiederholung!

Meine Empfehlung ist auch hier wieder, die eigenen Stärken zu nutzen. Es ist nie zu spät seine Stärken zu entdecken! Auch wenn man sie vielleicht nicht im Job leben kann, ganz bestimmt gibt es Möglichkeiten im Privaten, in der Familie, in Form von sozialem Engagement oder einem neuen Hobby oder einer Freizeitbeschäftigung.

Der zweite, wahrscheinlich sogar wichtigste Aspekt für unser Glück sind die sozialen Beziehungen. Ich empfehle, sich seine Beziehungen gut anzuschauen, durchaus auch kritisch. Wer sind die Menschen in meinem Umfeld, wer tut mir gut und mit wem möchte ich mehr Zeit verbringen? Wer ist nur Energieräuber und wen möchte ich gehen lassen?   

Also, es braucht auch Mut zum Glück?

Ja, ganz bestimmt. Dazu fällt mir ein passendes Sprichwort ein: „Mut steht am Anfang des Handelns. Glück steht am Ende.“

Wird das Glück im Alter stiller? Oder geben wir uns mit weniger zufrieden?

Ich würde nicht sagen, dass wir uns mit weniger zufrieden geben. Es sind andere Dinge im Leben, die uns wichtig geworden sind, wir haben andere Prioritäten. Und vielleicht kommt das Glück tatsächlich auch ein wenig leiser daher, also in einer anderen Form und Qualität.

An der Stelle habe ich noch eine gute Nachricht: Aus Studien weiß man auch, dass Menschen mit 57 Jahren sogar zufriedener sind als Menschen mit 17 oder 27. Also der Faktor „Älterwerden“ zahlt quasi automatisch auf unser Konto Zufriedenheit ein 😉.

Jede/r von uns hat doch auch einen „Glückspeicher“, also die Erinnerung an die großen Glücksereignisse in unserem Leben?

Ja, und es ist auch eine gute Idee, diese Glücksereignisse immer wieder abzurufen. Allein das Sprechen über oder das sich Erinnern an schöne Momente hat eine positive Wirkung und stärkt unser Immunsystem. Daher mein Tipp: Erzählen wir einander viel öfter die positiven Geschichten  und lassen wir das Sudern bleiben. 

Wie kann man in schweren Zeiten, wenn man einen Schicksalsschlag erleidet, wenn man krank wird, die Hoffnung auf das Glück nicht verlieren?

Ich war selber in einer Situation, wo es mir quasi den Boden unter den Füßen weggezogen hat. Aber bald danach habe ich beschlossen, aus der Opferrolle auszusteigen und mein Leben wieder in die Hand zu nehmen. Nach einer Phase der Trauer, des Zorns oder Wut gilt es wieder in die Handlungsfähigkeit zu kommen. Ein Spruch, der es gut auf den Punkt bringt, lautet: „Hinfallen, aufstehen,  Krone richten und weitergehen“.

Gerade in solch schweren Zeiten ist es wichtig, seinen Fokus auf seine Ressourcen zu richten, also was und wer kann mich jetzt unterstützen, sei es mein Partner, meine Familie, Freunde? Welche meiner Stärken kann ich jetzt gut gebrauchen, um die nächsten Schritte zu gehen? Auch die Erinnerung, dass ich die letzten Herausforderungen gut bewältigt habe, ist eine wichtige Erfahrung für unser Gehirn und stärkt unsere Resilienzkraft

Dazu fällt mir noch ein wichtiger Punkt ein: Ein Lieblingsthema von mir, die Dankbarkeit. Weil sie DER Schlüssel zum Glück ist. Auch wenn es in schwierigen Situationen vielleicht schwer fällt, aber Dankbarkeit hilft uns, unsere mentale Gesundheit zu stärken. Und gleichzeitig auch wieder den Fokus auf das Positive richten und sich die Frage stellen „Was ist das Gute an dem Schlechten, das mir gerade passiert ist? Solange der Schmerz noch groß ist, sieht man das oft noch nicht, meist braucht es da noch Zeit, bis man das erkennen darf.

Und zum Abschluss: Hast du ein Lieblingszitat zum Thema Glück?

Ein Zitat, das sehr gut zu unserer Arbeit passt ist:

„Jeder ist seines Glückes Schmied.“

Jede/r hat sein Glück selber in der Hand. Wir müssen uns nur für das Glück entscheiden. 

 

WEITERFÜHRENDE LINKS:

www.diesinnstifter.at

Praxisllehrgang Glück: Start am 1. Mai 2020

 

 BUCHTIPPS:

Ausgewählt und kurz kommentiert von Margot Maaß

  • Glücklicher – Lebensfreude, Vergnügen und Sinn finden mit dem populärsten Dozenten der Harvard University (Tal Ben-Shahar)
    Gut zu lesen und zahlreichen Tipps und Übungen
  • Das Glücksprojekt – Wie ich (fast) alles versucht habe, der glücklichste Mensch der Welt zu werden (Alexandra Reinwarth)
    Herzhaftes Lachen ist garantiert und man lernt gleichzeitig viel über das Thema Glück.
  • Glücklich sein – Warum Sie es in der Hand haben, zufrieden zu leben (Sonja Lyubomirsky)
    Wer sich für die Glücksforschung interessiert, für den ist dieses Buch ist eine Pflichtlektüre.
  • Die bessere Hälfte – Worauf wir uns mitten im Leben freuen können (Eckart von Hirschhausen, Tobias Esch)
    Die beiden Herren beschäftigen sich mit dem Glücklichsein in der 2. Lebenshälfte.

 

DANKE AN ALEXANDRA FIEDLER-LEHMANN:

MACH DICH GLÜCKLICH! Einfache Strategien für ein glücklicheres Leben.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.