Aloha! Mit meiner Tochter in Hawaii

Ein Reisebericht 

Nach den vielen gemeinsamen „großen“ Familienurlauben, die sich automatisch an den Schulferien meiner Tochter orientierten, zuerst als Vater-Mutter-Kind-Trio, später dann als Zweier-Team,  gab es eine mehrjährige Pause. Ab dem späteren Teenageralter urlaubte die Tochter mit ihren FreundInnen und ich mit meinen. Was blieb, waren ein oder zwei vergnügliche, gemeinsame Städtereisen pro Jahr.  Bis überraschend die Mutter-Tochter-Reise nach Hawaii vom Himmel fiel  – gemeinsam mit vielen Fragen:

  • Wie ist es, mit der erwachsenen Tochter zu verreisen?
  • Was ist neu? Was ist anders?
  • Was ändert sich nie?
  • Werden wir uns gut verstehen?
  • Werden wir Spaß haben?

So hatte es angefangen: Einmal im Leben nach Hawaii! Davon träumte ich seit meiner Jugend. Ein faszinierender Traum, den ich mit vielen FreundInnen und KollegInnen teile. Hollywood sei Dank 🙂

Viele Urlaube lang blieb Hawaii aus praktischen Gründen unerreichbar. Zu weit weg, zu teuer, zu umständlich, zu wenig Zeit. Dazu kommt der gigantische CO2-Fußabdruck. Und so weiter und so fort.

Dann erzählte meine Tochter Hanna im vorigen Dezember voller Euphorie, sie würde sich für ein Praktikum am Pacific Center for Molecular Biodiversity des Bishop Museums in Honolulu bewerben. Neben all der Aufregung um die Bewerbung, spürte ich sofort, das ist meine Chance!

A Dream Comes True

Es sollte also wahr werden! Hannas Bewerbung war erfolgreich, sie flog im Februar nach Honolulu und am 1. März 2019 sollte ich nachkommen. Unser Reiseplan sah eine Woche Überschneidung in Honolulu vor, in der sie noch arbeitete und ich mich in aller Ruhe akklimatisierte.  Anschließend zwei Wochen Urlaub auf der angeblich schönsten Insel, der Garteninsel Kauai.

Es war Hannas erste große Studien- bzw. Arbeitsreise, die sie allein antrat. In der Phase des Ankommens mit all den Fragen, Unsicherheiten und Ungewissheiten hatten wir schon intensiven Kontakt via Skype und Telegram. So lernte ich Honolulu, die Hauptstadt der Hauptinsel Oahu, schon vorab – zumindest virtuell – gut kennen.

Best of Fotoalbum 

Wiedersehen in Honolulu 

Am Freitag, den 1. März war es dann soweit. Um 7 in der Früh ging’s in Wien los und nach 27 Stunden Reise über Frankfurt und Los Angeles landete ich dann – noch am gleichen Tag – mit nur zwei Stunden Verspätung in Honolulu. Endlich! Endlich wieder meine liebste, tapfere Tochter in die Arme schließen! Was für eine Wiedersehensfreude! Am nächsten Tag und ohne Ruhepause – es war ja Wochenende –  machten wir mit Hannas neuen FreundInnen einen Ausflug an die Ostküste Oahus, in das liebenswürdige kleinstädtische Kailua. Ein wunderschöner Strand, weißer Sand, Palmen umsäumt, kristallklares Wasser, alles wie im Bilderbuch. Ein überraschend frisches Lüfterl und mein Jetlag ließen mich frieren und verhinderten, dass ich – wie die Jugend – in das türkisblaue Wasser schwimmen ging. So lag ich voll bekleidet und mit Handtüchern zugedeckt am Strand und hielt ein Nickerchen. Auch gut.

Am Sonntag in aller Frühe ging es dann zu einem ausgiebigen Morning Run rund um den Diamond Head und nach Waikiki Beach. Eine wunderschöne Laufstrecke, mit grandiosen Ausblicken am Fuße des Vulkankraters, wir liefen vorbei an phantastisch schön gelegenen Beach Front Villen. Das ist überall in Hawaii möglich, weil die Strände nicht privat, sondern öffentliche „Public Area“ sind.

Für mich war das volle Programm direkt nach der langen Anreise – zugegeben – ein wenig too much und ich freute mich auf einen ruhigen Montag in meinem Tempo.

Hanna:
„Es ist schön nach einer kleinen Pause von langen Reisen mit der Familie, in meinem Fall mit der Mama, wieder gemeinsam den Urlaub zu verbringen. Sich nicht nur im Alltag zu sehen, sondern zusammen neue Dinge zu entdecken, seien es schöne Cafés, Restaurants, Boutiquen oder Strände. Da kommen dann Erinnerungen an meine Kindheit und Jugend hoch, wo ich genau solche Momente schon einmal erlebt habe, nur an einem anderen Ort wie z.B. auf Kreta.“

Erster Rollentausch

Die erste Woche nutzte ich tagsüber für mich und Hanna ging ins Bishop Museum arbeiten. Quasi der erste Rollentausch! Ich bot ihr zumindest einen Transportservice und brachte sie morgens mit dem Leihtoyota zur Arbeit  und holte sie abends wieder ab. Ein bisschen wie eine Soccer Mum! Dazwischen erkundete ich die Stadt, ausgerüstet mit einer Fülle an guten Tipps. Die Abende verbrachten wir in trauter Zweisamkeit, oder wir trafen Hannas KollegInnen, gingen schön essen, entdeckten gemeinsam die Stadt oder wuschen Wäsche. 

Bei meinen Tagestouren wollte ich nicht nur mit dem Auto herumfahren, obwohl man in Honolulu ohne Auto nicht auskommt. Es gibt kein brauchbares öffentliches Verkehrsnetz. Gelegentlich fahren Busse, aber um von A nach B zu kommen dauert es teilweise absurd lange oder ist überhaupt unmöglich.

Zu Fuß gehen, wird ja möglich sein, dachte ich mir und beschloss per pedes – Luftlinie weniger als 1 Meile – von unserem Apartment nach China Town zu gehen. Google Maps führte mich auf der Strecke auch in den wunderschönen Foster Botanical Garden.

Insgesamt war ich froh, weil zu Fuß sieht man ja bekanntermaßen am allermeisten, wenn auch etwas frustriert von den schmalen Gehsteigen und der umständlichen Streckenführung. 

Ein andermal besuchte ich den Leuchtturm in Makapu’u und begab mich auf die Suche nach zwei wasserfesten Wanderhosen, denn es regnete mindestens einmal pro Tag in Honolulu.

Manches ändert sich (nie)

Dein Kind bleibt immer dein Kind. Das stimmt offenbar, denn ich merkte, wie schnell ich wieder in die Rolle der Verantwortlichen schlüpfte. Dabei passiert das oft nicht bewusst.  Hat sie genug zu essen, hat sie was zu trinken mit, friert sie nicht, hat sie nichts vergessen, wird sie die Schlüssel nicht verlieren, wird sie pünktlich zur Arbeit kommen? All diese kleinen Alltagssorgen waren sofort wieder da.

All diese Gedanken vor dem Hintergrund, dass meine Tochter erwachsene 23 Jahre alt und seit zwei Jahren von zu Hause ausgezogen ist. Sie hat mit ihrem Freund einen eigenen Haushalt gegründet, ist eine talentierte Köchin und begnadete Bäckerin. Sie ist bei ihrem Studium gut unterwegs, hat bereits eine Ausbildung als Make Up Artist abgeschlossen, verfügt über ein grandioses Organisationstalent und so weiter und sofort. Ich musste insgeheim über mich selber lachen. Und dann ließ ich einfach ein bisschen los.

Als dann der eigentliche Urlaub dieser Reise begann, merkte ich rasch, wie fein es ist, wenn die Tochter schon erwachsen ist. Sie stellte den Wecker, sie berechnete die Wegzeiten, sie kannte den Weg. Während ich Flughäfen immer schon stressig fand, mit den vielen Regeln, Geboten, Verboten, dem Zeitdruck und den Kontrollen, ist meine Tochter dort quasi zu Hause.  Sie schleuste mich souverän durch das ganze Prozedere – ich war geradezu von den Socken. Ich war natürlich bei der Sicherheitskontrolle die Einzige, die die Schuhe ausziehen musste.

Ich proftiere also hochgradig von Hannas Know-it-all Attitüde! Zudem kann ich ihr Besserwissen sehr gut annehmen, weil wir nie in eine Konkurrenzsituation oder in ein Wetteifern geraten. Kann es Stolz sein? Sowieso frage ich mich die ganze Zeit: Von wem hat sie diesen phänomenalen Orientierungssinn?

Petra:
„Manchmal erkenne ich mich selbst in meiner Tochter wieder. Wie sie denkt, was sie tut, ihre Prinzipien. Ihr Blick auf die Welt erinnert mich dann an mein jüngeres Ich, fast als wäre sie eine aktualiserte Version von mir. Und ich bin unendlich glücklich, dass sie in gewisser Weise nach mir gerät!“

Dream Team

Wir sind ein gutes Team. Wir haben ähnliche Interessen, wir stimmen uns ab, wir richten uns auch mal nach der anderen. Wir teilen uns die Aufgaben auf, einmal macht die eine, einmal macht die andere. Das funktioniert ganz von allein. Und wenn nicht, dann sprechen wir darüber, und das meistens ohne Groll. In kritischen oder sogar brenzlichen Situationen war es abwechselnd einmal sie und einmal ich, die den kühlen Kopf bewahrt hat.

Einzig das Autofahren habe ich ganz allein übernommen, hauptsächlich weil wir uns den Aufpreis für Jugendlichkeit beim Autoverleih sparen wollten.

Und sie ist ein Sturkopf, genauso wie ich. Es gehört dazu, dass wir manchmal aneinander geraten. Dann können auch richtig die Fetzen fliegen. Nach angemessener Zeit setze ich – wie eh und je – die Versöhnungsgeste. Die muss von mir aus gehen. Das war schon immer so. Ich reiche meiner schmollenden Tochter nach dem Streit die Hand, die sie ohne Zögern, erleichtert und dankbar ergreift. Danach reden wir uns die Sache ausführlich aus – bis auch der kleinste Groll verflogen ist und wir in manchen Fällen sogar über unseren Disput lachen können.

Meine Learnings

1) Nicht gleich automatisch wieder in die Rolle der Mutter schlüpfen.
2) Sich einfach mal zurücknehmen und mit Stolz auf die Fähigkeiten der Next Generation blicken.
3) Humor hilft immer.

Hatten wir Spaß? Wir hatten riesigen Spaß. Wir lachen beide gern, wir haben den gleichen Humor. Niemand kann so herzlich über meine schlechten Schmähs lachen wie Hanna. Niemand bringt mich so sehr zum Lachen wie meine Tochter.

Summa summarum

Diese Reise mit Hanna war eine der schönsten, außergewöhnlichsten und aufregendsten meines Lebens. Viele neue Eindrücke, viele alte Gewissheiten. Ich werde unseren Hawaii Trip ewig in Erinnerung behalten. Und ich weiß, das gilt auch umgekehrt.

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